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Heu trocknen im Gebirge
Foto: BMLFUW/AMA-Bioarch...

Was ist die Gemeinsame Agrarpolitik

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) stellt die Entwicklung des ländlichen Raums v.a. die Modernisierung der landwirtschaftlichen Betriebe, die Qualitätssicherung bei Nahrungsmitteln und die Schaffung alternativer Beschäftigungsmöglichkeiten im ländlichen Raum, sicher. 

Historische Entwicklung
Seit den Anfängen des Einigungsprozesses zählt die Agrarpolitik zu den wichtigsten Aufgabenfeldern europäischer Politik. In Erinnerung an Lebensmittelknappheit und Hunger nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bereits 1957 im EWG-Vertrag die Gemeinsame Agrarpolitikfestgeschrieben.
 
Ziel war die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, angemessene Einkommen in der Landwirtschaft zu sichern, die Verbraucher ausreichend mit Nahrungsmittel zu vernünftigen Preisen zu versorgen und die Märkte zu stabilisieren.
 
Die GAP beruht trotz mehrerer, grundlegender Reformen bis heute auf den drei Grundsätzen:
 
· Gemeinsamer Agrarmarkt (freier Warenverkehr in einem einheitlichen Markt)
· Gemeinschaftspräferenz (EU-Produkten wird gegenüber Produkten aus anderen Ländern Vorrang gegeben)
· Gemeinschaftliche Finanzierung.
 
Preispolitik
Zwischen 1958 und 1968 wurde der einheitliche Markt verwirklicht, seit 1962 gibt es die ersten Marktorganisationen und seit 1968 gemeinsame Agrarpreise. Instrument der GAP war zunächst im Wesentlichen die Preispolitik - garantierte Preise für den Erzeuger ohne Begrenzung der Produktion hieß die Devise. Die Preise für Gemeinschaftserzeugnisse lagen dabei meist weit über dem Weltmarktpreis. Damit sie dennoch günstiger als importierte Waren angeboten werden konnten, wurden eingeführte landwirtschaftliche Produkte mit Zöllen oder Abgaben gegenüber den Gemeinschaftserzeugnissen verteuert. Ausfuhrbeihilfen sicherten die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Erzeugnisse auf dem Weltmarkt.
 
kostspielige Überproduktion
Anfang der siebziger Jahre war der Bedarf an den meisten Grundnahrungsmitteln durch eigene Erzeugnisse bereits gedeckt und die zunehmende Produktivität (größere, jedoch weniger Betriebe) führte immer mehr zu einer kostspieligen Überproduktion. Dies hatte einen Anstieg der öffentlichen Lagerhaltung in der EU und eine finanzielle Mehrbelastung durch subventionierten Verkauf auf dem Weltmarkt zur Folge.
 
Agrarreform
Die Belastung des EU Haushalts durch den Agrarsektor (1992 rund 58%) sowie andere Probleme wie Überbeanspruchung des Bodens durch intensives Wirtschaften und der Druck seitens der WTO Partner in Richtung Öffnung der EU-Agrarmärkte leiteten in den Jahren bis heute eine Reihe von Agrarreformen ein. Neben der Einkommenssicherung rückten Aspekte des Umwelt- und Naturschutzes und eine ganzheitliche Betrachtung der ländlichen Räume in den Vordergrund.
 
Die Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik:
 
Die Agrarreform von 1992 (MC - Sharry Reform) - diese grundlegende Reform umfasste erhebliche Preissenkungen bei Getreide und Rindfleisch sowie eine Reduktion der Interventionspreise in drei Schritten. Die durch die Reform eingetretenen Einkommensverluste der Betriebe wurden verstärkt durch direkte Einkommensbeihilfen (Direktzahlungen) ausgeglichen. Weiters wurde die Stilllegung von Nutzflächen zur Entlastung der Märkte gefördert.
 
Die reformierte Agrarpolitik sollte auch zunehmend Forderungen nach einer umweltfreundlichen Landwirtschaft Rechnung tragen. Diese Reform wirkte sich in einer Verringerung der Überproduktion aus, wobei die Einkommen der Landwirte gesichert waren. 

Die Agrarreform 1999 (Agenda 2000) - diese Reform spiegelte den Wandel der europäischen Agrarpolitik der darauf folgenden Jahre wieder. Die im Jahr 2000 beginnenden Verhandlungen über eine weitere Liberalisierung der Weltagrarmärkte und die bevorstehende Erweiterung der EU stellten die größte Herausforderung für die GAP dar. Mit der Agenda 2000 wurde die Reform von 1992 vertieft, indem die Preisstützungen weiter durch Direktbeihilfen ersetzt und die Entwicklung des ländlichen Raums zum zweiten Pfeiler der Gemeinsamen Agrarpolitik gemacht wurde. 
 
Die letzte große Reform erfolgte schließlich im Juni 2003 bzw. April 2004.

link zur Europaseite: Gemeinsame Agrarpolitik

04.05.2010, Lebensministerium III/1